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Meine Beiträge


Lyrik und Prosa:


Ewald Eden©

Wilhelmshaven-Ostfriesland

Unterhaltsame Kurzgeschichten, sozialkritische Beiträge und Lyrik, naturverbunden und auch humorvoll.

Er möchte seine Leser ermuntern, dem Leben mit seinem Lachen und Weinen nicht aus dem Weg zu gehen, sondern er fordert sie immer wieder auf, mit ihm gemeinsam festzustellen, daß man am Anfang seines Erdenweges noch keinen Anzug besitzt, und das letzte Hemd keine Taschen hat.

Die ersten drei Bände seiner Buchreihe ‚Ein Streifzug – dwarß dör d’ Lääven’ sind 2003 im Heiber-Verlag erschienen –








 

 


Foto: literadies©

Ahnung

Nach Frühling hat es schon gerochen,
an diesem schönen Tag im Jahr -
die Kälte schien schon stark gebrochen,
nun ist der Winter wieder da.

All die kleinen grünen Spitzen -
die mutig sich schon hergezeigt-
erschießt er nun mit Eishaubitzen-
und ihnen ihren Vorwitz geigt.

Sie dulden still sein grob’ Gebaren,
sie lassen ihm sein bißchen Spaß -
gar zu bald wird er erfahren,
selbst dickstes Eis wird dünn und naß.

ewaldeden©2013-03-11

Roman „Nordwehen – ein Inselsommer“
2012 von „Vindebona“ in Österreich.

In vielen hundert Rundfunksendungen las er seine Geschichten und Gedichte für norddeutsche
und holländische Radiohörer.

November 2006 Hörbuch
"Im Zuckerhutland“
auf CD erschienen.
Abod-Hörbuchverlag

2006, 2007, 2008, 2011 und 2012 hat die ‚Brentano-Gesellschaft’ Lyriktexte von ihm in die ‚Frankfurter Bibliothek’ aufgenommen.

Website:

http://textparadies.npage.de

 

Foto: Ewald Eden©
Zeitvergleich …

Unter harschigem Schnee
und schwindendem Eis,
da köchelt der Frühling
sein Süppchen gar heiß.
Er mischt schon die Farben
und formt bereits Zeichen -
weil er sich gewiß,
dass Winter muss weichen.
Er kennt ihn,
den manches mal beinhart’ Gesellen -
der auch wohl versucht,
ihm ein Beinchen zu stellen.
Doch im Grund’ sind sie Freunde -
sie mögen sich wohl -
so wie etwa Schmidt Schnauze
in Anno den Kohl.
Er weiß,
auch wenn sie ein Gegensatz sind,
so sind sie doch beide
des gleich’ Geistes Kind -
des Geistes der Macht liebt,
und das mehr als sich selber,
und den es so oft gibt
wie goldene Kälber.

ewaldeden©2013-03-12

 

Martin ...

Bilder: Copyright Ewald Eden.

Verdammt noch mal - wie lange sollte es denn noch so gehen. Seit dreieinhalb Stunden hätten sie schon im Hafen sein wollen. Und sie schipperten immer noch hier draußen, auf dem aufgewühlten schwarzen Wasser der Nordsee, herum. Bloß weil der Alte hoffte, Meent Eilts seine Leute noch zu finden. Man konnte die Hand vor Augen nicht sehen. Die Brecher donnerten über das Vorschiff hinweg, als wenn es gar nicht mehr da wäre. Aber der Alte meinte das. Das Gasoel konnte auch nicht mehr ewig reichen - und überhaupt wäre er viel lieber schon bei seiner Lene zu Haus. Im warmen Bett. Dem Alten konnte er das natürlich nicht sagen. Der hätte ihm gleich eine gescheuert, daß ihm Hören und Sehen vergangen wären.Gestern abend waren sie mit dem einsetzenden Ebbstrom ausgelaufen. Es war ein Wetter wie aus dem Bilderbuch. Sie wollten die ganze Nacht auf Seezunge gehen. Der Bestand war so gut wie seit Jahren nicht mehr. Hein Cassens hatte seine beiden Schiffe nicht von der Leine gelassen. Das beste Wetter sollte es bleiben - und er traute dem Braten nicht. Na ja - an der Schleuse wurde schon immer gesagt, Hein Cassens hat es mit der Spökenkiekerei. Weil - seine Großmutter hatte ein Zigeuner als Andenken im Dorf gelassen. Man weiß ja nie, was Zigeunerblut alles so in sich hat. Auch wenn es schon lange her ist. Püüt Meyer hat denn nur gesagt: Wenn er auf den guten Fang verzichten kann - wir können es nicht und ihn die Leinen losmachen lassen.

Einmal hatten sie die Netze schon eingeholt - es war ein guter Fang. Dann Schlag elf - der Alte hatte ihn gerade losgeschickt die Winde anzuschmeißen. Der zweite Hol war fällig. Es war von Abendsonnenblinkern bis zu Tintenfaßschwarz eine Zeit von weniger als drei Minuten. Als er wieder zu Verstand kam, sah er das die Winsch leer herumsauste. Die Leinen zu den Netzen waren weg - gerissen. Einfach so - wie wollene Fäden. Der Sturm ist von oben auf das Wasser gefallen - man hatte vorher in der ganzen Runde nicht eine Wolke sehen können.Wie sie es im ersten Moment absehen konnten, hatte ihr Schiff das ganze einigermaßen gut überstanden. Jetzt gab es nur eines - nach Hause.

Auch Weert Jacobs funkt Netzverlust. Bei Siebo Hemken sieht’s nicht besser aus, die haben noch ein Stück vom Mast verloren. Was war mit Meent Eilts seinem Kutter? Von da kam nichts rüber. Immer und immer wieder ging das Zeichen raus - niemand antwortete - und sie wollten doch nach Hause. Alle Vier. Fünf Stunden kreuzten sie schon. Hin und her - hin und her.
Stockfinster - Sturm das man sich fast nicht halten konnte - und naß wie eine Katze. Er fühlt sich als wenn er in eine Waschmaschine geraten wäre.

Zur See fahren - das hatte er sich ein bißchen anders vorgestellt, als er im letzten Jahr bei Püüt Meyer angeheuert hat. Die Bilder von romantischer Seefahrt, die sind in der ersten Zeit schon alle über Bord gegangen. Man - diese Nacht - die hätte er sich nie träumen lassen.
Dem Alten schien das alles nichts auszumachen. Er stand wie ein Eichenpfahl am Ruder - die Hände so fest in den Speichen - er rührte sich nicht einen Millimeter.

Allein seine Augen - wachsam wie ein Hafenlicht - gingen so scharf hin und her, als wenn sie die dunkle Nacht zerschneiden wollten. Komisch - er möchte am liebsten über Bord springen. So grün und klöterig ist ihm zumute in Kopf und Bauch. Aber er kann alles so genau beobachten, als wenn er in einem Kinosaal sitzt und sich einen Film ansieht.
Die Stimmung auf den drei Kuttern geht langsam dahin, daß sie aufgeben müssen.
Wieder aufs Siel zuhalten? Den Hafen anlaufen ohne Meent Eilts sein Schiff? Was ist mit ihm los?

Die ganze Nacht hat er sich nach Hause hingeträumt, und nun paßt es ihm nicht, daß die andern schon aufgeben wollen. Auf einmal mag er auch dem Alten sagen, daß sie noch nicht aufgeben dürfen! Der Alte sagt nichts - dreht nicht einmal den Kopf. Greift nur nach unten in die Klappe - hat eine Schluckbuddel in der klobigen Faust - zieht mit den Zähnen den Korken raus - und hält ihm die Buddel hin.

Ihm - der man erst ein Jahr dabei ist - den sie alle immer so ein bißchen als weich angesehen haben.
Er langt hin und zieht an der Buddel. Wie brennendes Feuer läuft es ihm im Hals herunter. Ohne ein Wort nimmt der Alte ihm die Buddel ab und zieht selbst einmal kräftig.
In diesem Moment geht Martin auf, daß Vorstellung und Wirklichkeit zwei Welten sind - er in diesem Augenblick in der Wirklichkeit angekommen ist.

Der liebe Gott will zu dieser Erkenntnis wohl auch noch Blumen reichen - so scheint es. Der Alte hat die Schluckbuddel noch gar nicht abgesetzt, als direkt voraus ein feuerrotes Licht aus den Wolken tröpfelt. Es sind die Männer und der Hund von Meent Eilts’s Kutter.

Es war zwar nur noch das Beiboot der stolzen Silbermöve - man - sie hatten noch Planken unter den Füßen. Und allein das war wichtig. So konnte die schwarze Fahne unten in der Back bleiben als sie in den Hafen einliefen. Es fehlte ihnen wohl ein Schiff - aber keine Seele.

Zwei Dinge hatte diese Nacht verändert - Hein Cassens wird mit Respekt behandelt - und Martins Herz ist bis in alle Zeiten an die Seefahrt verloren gegangen.

 

Seefahrt . . .

Ein Mann verliert nur einmal im Leben sein Herz –
entweder er trifft das richtige Schiff –
oder die richtige Frau –
und beides ist die wunderbarste Sache der Welt!

ewaldeden

 



Helgoland

Foto: Everding/Literadies

Verdammt

Strassen führen in endlose Weite
nirgends keimt Hoffnung
kein Fünkchen Licht
man hört nur immer furchtbar gescheite
Worte - die jemand hohl in die Leere spricht
in die Leere der Herzen
in das hohle Gefühl
man weiß um die Schmerzen
doch den Sager läßt's kühl
man polieret die Hüllen
in die Versprechen man steckt
die nichts dann erfüllen
selbst wenn alles verreckt
sie wirken wie Laub
an toten Bäumen
sie schmecken wie Tränen
im salzigen Meer
wo sind die Bilder
aus unseren Träumen
wo ist des Lebens Glückswiederkehr

ee

Viel Zeit zum Sterben ...

von Ewald Eden

Von der Erkenntnis des Hausarztes, dass bei seinem Patienten der Sachverstand eines Fachkollegen erforderlich ist, bis zur Einräumung eines Behandlungstermins bei demselben können in unserem Lande mittlerweile leicht schon einmal 6 Monate ins Land gehen. Es ist für den einzelnen Betroffenen viel Zeit zum Sterben.

Eine solche Entwicklung ist für mich unbegreiflich. Wahrscheinlich ist mein Verstand für so große Dinge zu klein. Wie ist es aber zu erklären, dass in der Vergangenheit trotz größerer Bevölkerungsdichte im Lande und entschieden kleineren Ärztezahlen keine Warteschlangen vor den Facharztpraxen zu entdecken waren, und die notwendigen Fachbehandlungen sich zeitnah an den jeweiligen Überweisungstermin des Hausarztes anfügten.

Es gibt für mich keine akzeptable Erklärung dieses augenscheinlichen Phänomens - zumindest keine die erträglich wäre. So unerträglich wie das, was seit einigen Jahren und gegenwärtig ausufernd und zügellos im deutschen Gesundheitswesen abgeht.

Der Virus der Liberalisierung hat sich gerade im Gesundheitswesen zu einer Seuche erster Ordnung entwickelt. Dabei ist es beileibe kein Monopol der sich so nennenden, und als die personifizierte Liberalität sich gebende Partei der blaugelben und angeblichen Gralshüter einer freien Wirtschaft. Deren spätpubertierende Politgymnasiasten haben bis zu ihrer parlamentarischen Ausmusterung auf Bundesebene nur frisch, fromm, fröhlich und frei nach des alten Turnvater Jahn Maxime auf dem bundesdeutschen Feld des Gesundheitswesens und der sozialen Fürsorge herumgewildert. Auf einem Feld, dass von skrupellosen sozialdemokratischen Politbestimmern der Bastakanzler-Ära zur Wildsaubrache erklärt und zur Verwüstung freigegeben wurde.

Es war plötzlich ein neues Motto in der Welt, das da lautete: „Sozialwilderer aller Coleur, vereinigt euch“.

Es setzte förmlich ein Wettlauf um den Pokal des effektivsten und erfolgreichsten Sytemzerstörers ein. Wer am brutalsten und schnellsten gewachsene und bewährte Strukturen vernichtete, der hatte und hat immer noch die Nase vorn. Gebilde wie Fresenius, Rhön, Asklepios oder die Sana bzw. Schön-Kliniken schossen wie Pilze aus dem Boden und ersticktem unter ihrem gigantischen und undurchschaubarem Geflecht alle bisher funktionierenden und existierenden Systeme einer in vielen Jahrzehnten gewachsenen und bis dahin bewährten Solidargesellschaft.

Die Liste der an der Gesellschaft schmarotzenden Zerstörerunternehmen könnte noch ellenlang fortgesetzt werden, denn offenbar lassen sich nirgendwo anders auf so leichte Weise wie auf dem privatisierten sozialen Sektor solch horrende Gewinne erzielen. Gewinne außerhalb jeder Kontrolle und jenseits jeder Moral.

Selbst Organisationen, die seit je die Begriffe Ethik, Moral und Menschlichkeit, ja sogar christliche Nächstenliebe im Firmenschild führen, sind in einem rasanten Tempo dem Geruch des Geldes erlegen. Beschäftigte werden einfach ausgegliedert in über Nacht gegründete Leiharbeitsfirmen, für die sie dann für oftmals weniger als der Hälfte des bisherigen Lohnes am gleichen Arbeitsplatz weiterschaffen dürfen. Oder sie werden Simsalabim zu hungerleidenden Werkverträglern umfunktioniert. Mit der oftmals gleichzeitigen Empfehlung, sich den kargen Lohn durch Hartz-IV- Leistungen aufstocken zu lassen.

 

Ich bin gespannt, wann dieser Krug der mitleidlosen Säufer auf seinem Wege zum Brunnen endlich zerbricht.

ewaldeden2014-01-30

 

 

MIEZE

Ich träume und wünsche ein tolles Geschehen,

möcht' die Welt mit den Sinnen meiner Katze mal sehen -

möcht' wissen, was sie so denket und hört,

wenn sie mich leise schnurrend betört.

Ewaldeden


Foto: Ewald Eden

     
 
 
 
 
     
 
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